Moers: Spielplätze, die Spaß machen

Wie eine Stadt kontinuierlich ihr Freiraum-Angebot für Kinder und Jugendliche verbessern kann, zeigt das Beispiel von Moers am Niederrhein. In den 90er Jahren war man an einem Punkt angekommen, an dem auf vielen Spielplätzen das Angebot immer geringer wurde, da alte Geräte vielfach nur noch abgebaut und wenig in den Erhalt oder den Ausbau der Spielplätze investiert wurde. Um jungen Arbeitslosen einen Weg in das Berufsleben zu ermöglichen, wurde 1996 ein Landesprogramm aufgelegt, das den Umbau und die Erneuerung von 30 Spielplätzen möglich machte. Die städtische Jugendpflegerin Vera Breuer freut sich noch heute über dieses Projekt, denn dadurch wurde in der Stadt das Bewusstsein geweckt, wie notwendig und positiv neue Spielplätze für die Zukunft der Kinder und damit auch der Familien in der Stadt sind.

Moers ist mit derzeit knapp 110.000 Einwohnern laut den Prognosen der Bertelsmann Stiftung im durchschnittlichen Maß vom Bevölkerungsrückgang durch den demografischen Wandel betroffen. Bis 2025 ist ein Rückgang um vier Prozent vorhergesagt, in etwa wie bei den ähnlich großen Städten Hildesheim und Koblenz. Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität der Stadt für junge Menschen sind entsprechend auch hier eine zukunftsweisende Aufgabe. Ausgelöst durch die guten Erfahrungen mit dem neu gestalteten Spielraum führte die Stadt eine aufwendige Spielplatzbedarfsplanung durch, selbstverständlich mit Blick auf die Altersstruktur der Stadtviertel. Als Ergebnis kam heraus, dass 45 Spielplätze saniert oder neu gebaut werden mussten. Seit 2001 wird nun jährlich eine Summe von circa 500.000 Euro zur Verfügung gestellt um nach und nach den Spielraum auf den optimalen Stand zu bringen.

Dabei wird darauf geachtet, dass es Angebote für unterschiedliche Altersstufen gibt, auch mit barrierefreien Zugängen. Außerdem wird jeder Spielplatz individuell mit einer Beteiligung der Anwohner geplant. Auf diese Art und Weise ist es der Stadt gelungen, sehr unterschiedliche und von den Kindern akzeptierte Spielplätze einzurichten. Vera Breuer erzählt, dass ihr Team mittlerweile auch eine Liste mit Spielplatz-Tipps vorbereitet hat: „Wir haben häufig Eltern am Telefon, die ganz begeistert von einem Spielplatz sind und wissen möchten, wo es in der Stadt noch ähnliche Angebote gibt. Das vermitteln wir natürlich gerne.“ Vorbildlich ist in Moers auch die durchaus aufwendige Betreuung der Spielplätze, die bis 22.00 Uhr altersunabhängig genutzt werden dürfen. Konflikte mit Jugendlichen kommen nur selten auf, weil häufig Mitarbeiter vor Ort sind, die im Gespräch mit den Jugendlichen bleiben und deshalb auch wenig Schwierigkeiten bei der Durchsetzung der Ruhezeiten haben.

„Manchmal kann man den Eindruck haben, dass die ganz gerne von uns ins Bett gebracht werden“, sagt Vera Breuer lachend über die abendlichen Rituale, die wichtig sind, damit die Spielplatzanwohner nicht unnötig verärgert werden. Sie setzt sich immer dafür ein, durch die Einbeziehung der Jugendlichen, Lösungen zu finden, wie beispielsweise auch der Bau einer BMX-Bahn die Spannungen zwischen den Fahrern und älteren Parkbesuchern auflösen konnte. Moers ist weit fortgeschritten damit, eine bedarfsorientierte Versorgung mit gut gestaltetem Spielraum bieten zu können. Mit 130 Orten für Kinder und Jugendliche, bewegt sich die Stadt am Niederrhein ganz weit vorne, wenn man das Angebot mit anderen, ähnlich großen Städten vergleicht.

Dr. Anke Münster